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32.000 Werke – MoMA geht mit seiner iPhone App in die Vollen

iPhone App MOMA - WerkeintragSeit dem 12. August 2010 ist auch das Museum of Modern Art (MoMA) in New York mit einer kostenlosen Application für das iPhone im iTunes App Store vertreten. Der vom Digital Media Department des MoMA entwickelte Führer setzt ganz auf den Aspekt Informationsvermittlung.

Das Informationsangebot reicht von kurzen Katalogeinträgen  zu über 32.000 (!) Werken der Sammlung bis zu Audiobeiträgen für verschiedene Zielgruppen. Hier wurden die bereits vorhandenen, bisher über  iTunes U und MoMA Audio veröffentlichten Serien Modern Voices, Modern Kids, MoMA Teen Audio und Visual Description (für Sehbehinderte) übernommen. Hinzu kommen ausführliche Hinweise auf Veranstaltungen und Ausstellungen sowie die üblichen praktischen Informationen zu Öffnungszeiten, Preisen und Serviceangeboten.

Das Material ist über hierarchisch gestaffelte Listen nach vielfältigen Kriterien wie Standort, Sammlung, Medium oder Künstler erschlossen. In der weitgehend einheitlichen Informationsarchitektur, die auf Apple-typische Spielereien wie Coverflow oder Auswahlrädchen ganz verzichtet, findet man sich schnell zurecht. Gelegentlich ist der Weg zur Information dadurch aber recht staubig geraten, etwa wenn man sich zu einem Künstlernamen über drei Unterseiten vorkämpfen muss.

iPhone App MoMA Künstlerverzeichnis

Die Museums-App ist offensichtlich als Instrument für wissbegierige Besucher gedacht, weniger als digitale Imagebroschüre für die attraktive Zielgruppe der Smartphone-Nutzer.  

Bei dem gewaltigen Umfang des präsentierten Materials kam selbstverständlich nur eine online-basierte Lösung in Frage; die Bilder und Audiobeiträge werden erst beim Aufruf über das mobile Internet geladen. Vorbildlich: Das MoMA bietet in allen Räumen einen kostenlosen WLAN-Zugang an. Das verkürzt die Ladezeiten und ermöglicht auch Besuchern mit einem ausländischen Mobilfunkvertrag, die App zu nutzen, ohne horrende Roaminggebühren zahlen zu müssen.

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Aaron Radin über das Geschäftsmodell der Museum-App-Plattform Toura

Die 2009 gegründete Agentur Toura (New York und London) bietet Museen und Kultureinrichtungen eine webbasierte Plattform an, mit der sie Apps für das iPhone und andere Smartphones weitgehend eigenständig erstellen können. In einem Videobeitrag von Reuters erläutert Mitgründer Aaron Radin die technische Konzeption und das Geschäftsmodell von Toura:

YouTube Preview Image

Erträge will Toura vor allem aus einer Beteiligung von 50% an den Verkaufserlösen der Apps erzielen. Momentan sind bei iTunes acht Toura-Apps mit einem Durchschnittspreis von 2,42 EUR gelistet. Aaron Radin, der zuvor u.a. für CBS und Walt Disney gearbeitet hat, will versuchen, über Vertriebs-Partnerschaften in deutlich größere Dimensionen vorzustoßen, um die Anfangsinvestitionen von 1,5 Millionen USD einzuspielen und Toura (aktuell acht Mitarbeiter) nachhaltig am Markt zu etablieren.

Für Museen ist Toura sicherlich eine interessante Alternative zur aufwendigen Entwicklung einer eigenen Museums-App durch einen Dienstleister. Allerdings ist ein deutlicher Trend zu erkennen, Museums-Apps kostenlos anzubieten, um damit möglichst viele (junge, gutsituierte) Smartphone-Nutzer für das Museum zu interessieren. Angebote wie die aktuelle Toura-App zur Summer Exhibition der Londoner Royal Academy für 4,99 EUR werden es in diesem Umfeld schwer haben, Käufer zu finden.

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Mit der App EMSCHERKUNST.2010 „Inseln für die Kunst“ entdecken

In einem Gastbeitrag stellt Ulrike Schmid von u.s.k die Smartphone-App EMSCHERKUNST.2010 vor.

App Emscherkunst.2010 für Android-SmartphonesBei der Suche nach einem Kulturprogramm während meiner Stippvisite im Ruhrgebiet bin ich nicht nur auf das Projekt EMSCHERKUNST.2010 an sich gestoßen, sondern auch auf deren App für iPhone und Android. Entdeckt habe ich diese App nicht etwa im App-Store, sondern durch eine Anzeige zu diesem Projekt. Das finde ich sehr bemerkenswert, denn noch immer werden die verschiedenen Kommunikationsmittel viel zu selten miteinander vernetzt.

Zum Kunstprojekt
Unter dem Titel „Eine Insel für die Kunst“ werden in acht Ausstellungsräumen entlang des Flüsschens Emscher 20 Arbeiten von 40 Künstlern gezeigt. Diese Werke befassen sich mit der Umgebung und sind unter Einbeziehung derselben entstanden.

Zur Applikation
Die App EMSCHERKUNST.2010 dient zur Orientierung entlang der Emscher und ist zugleich Ausstellungsführer des gleichnamigen Kunstprojekts. Der Download ist kostenlos.

Die App ist klar strukturiert und sehr übersichtlich. Ausgehend von der Startseite hat man die Auswahlmöglichkeiten Übersichtskarte, Projekt, Kontakte, Touren oder Information. Ähnlich Reitern einer Homepage bleiben diese Überpunkte stets präsent, egal welchen Menüpunkt man auswählt.

Screenshot aus der iPhone-App Emscherkunst.2010

Die Unterpunkte geben zunächst nur einen kurzen, prägnanten Überblick und erlauben dann die einfache Weiterführung, was die App als sehr übersichtlich erscheinen lässt.

Wählt man etwa zunächst den Menüpunkt „Karte“ aus, erhält man einen Überblick über alle acht Standorte der Kunstwerke bzw. Ausstellungsräume, über die Fahrradstationen sowie die Informationszentren. Auf der Karte können die entsprechenden „Ausstellungsräume“ direkt angeklickt werden. Ein Klick auf die „6“ führt beispielsweise in den Menüpunkt „Projekte“. Hier erfährt man dann in einer Überblicksdarstellung, welche Künstler und welche Arbeiten einen am Ausstellungsraum 6 erwarten. Auch ein kleiner visueller Eindruck des Kunstwerks wird vermittelt. Durch einen Klick auf den orangen Pfeil neben der Kurzbeschreibung erhält man weitergehende Informationen zum Projekt, kann weitere Bilder dazu ansehen und mehr über die Künstlerin oder den Künstler erfahren. Der „Zurück“-Button ermöglicht es auf unkomplizierte Weise wieder zur vorherigen Seite zu gelangen.

Screenshot aus der iPhone-App Emscherkunst.2010

Ich finde den Grad der Vernetzung innerhalb der einzelnen Menüpunkte zwischen Künstler, Ausstellungsraum und Karte sehr gut und übersichtlich gelöst.

Wer mehr über mögliche Touren (zu Fuß, per Rad oder Schiff) erfahren möchte oder an allgemeinen Informationen interessiert ist, muss zurück ins Hauptmenü.

Auch im „Vor-Ort-Einsatz“ hat mich die App völlig überzeugt. Dank der GPS gestützten Standortermittlung konnte ich mich nicht nur problemlos auf der Emscherinsel zurechtfinden, sondern habe sogar die Anreise damit geplant. Ich habe nicht nur alle gewünschten Ausstellungsräume problemlos gefunden, sondern konnte dann auch noch just in dem Moment, als ich mehr über Künstler und Kunstwerk erfahren wollte, auch mehr erfahren.

Eine durch und durch durchdachte App, die einfach anzuwenden ist und viele Informationen bietet.

EMSCHERKUNST.2010 wurde verlängert und ist jetzt noch bis 11. September 2010 zu sehen.

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Interview mit Ulrike Schmid zur Studie “Museen und Orchester im Social Web”

Ulrike Schmid ist Inhaberin der Kommunikationsberatung u.s.k., die Kultur-PR und Social Media verknüpft. Seit drei Jahren befasst sie sich mit dem Thema Social Web für Kultureinrichtungen. Sie ist Sprecherin der stART.10 und des KulturInvest Kongresses 2010. Zur Zeit arbeitet sie u.a. an einer umfangreichen Studie zum Auftritt von Museen und Orchestern in den Sozialen Medien.

Jörn Brunotte: Womit befasst sich Ihre Studie „Museen und Orchester im Social Web“?

Ulrike Schmid: Die Studie untersucht die Web-2.0-Aktivitäten von Orchestern und Museen und zwar nicht nur anhand von Follower- und Fanzahlen. Mich interessiert vielmehr, wie Kultureinrichtungen das Social Web in ihre Kommunikation einbinden, ob sie Gespräche mit ihren Stakeholdern führen und wie diese Gespräche aussehen.

Was war der Anlass zu der Studie?
Anlass war, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Kultureinrichtungen, die Profile bei Twitter, YouTube, Flickr und Facebook angelegt haben, exorbitant zugenommen hat. Daher stellte sich mir die Frage, ob Kultureinrichtungen nun auch tatsächlich das Social Web für sich entdeckt haben. Und wenn ja, wie sehen ihre Aktivitäten aus? Inwieweit betrachten die Kultureinrichtungen das Social Web auch als Mitmach-Web? Hat ein Social-Media-Engagement mit der Größe des Hauses zu tun? Diese und andere Fragen waren der Grund, die Studie zum Thema „Museen und Orchester im Social Web“ durchzuführen.

Wie haben Sie die Museen respektive Orchester ausgewählt?
Eine Bemerkung vorweg: An der Gegenüberstellung Orchester und Museen reizte mich, herauszufinden, ob es Unterschiede in der Kommunikation gibt. Also welche Inhalte, auf welche Art und Weise im Social Web kommunizierbar sind, und auch, ob es Unterschiede in Bezug auf das Renommee der Einrichtungen gibt.
Die Auswahl der Orchester war relativ einfach. Ich habe diejenigen in die Untersuchung einbezogen, die bei der Deutschen Orchestervereinigung gelistet sind.
Bei den Museen war es schon etwas schwieriger. Laut Deutschem Museumsbund gibt es 6.500 Museen. Da ich augrund dieser Masse, nicht bei allen 6.500 Musen nachschauen konnte, wer im Social Web präsent ist, musste ich eine Auswahl treffen. Ich habe zunächst auf die sehr umfangreiche Liste deutscher Museen bei Wikipedia zurückgegriffen und dann im nächsten Schritt festgelegt, dass ich nur die Museen in die „enger Auswahl” nehme, die bei Google mindestens 50.000 Einträge haben.
Bei kleineren Einrichtungen, die mir erst im Laufe des Beobachtens und Vergleichens aufgefallen sind, habe ich diejenigen zusätzlich mit aufgenommen, die mindestens 100 Follower bei Twitter und/oder Fans auf der Facebook-Fanseite haben (Stichtag war der 10. Februar). Geblieben sind 90 Museen und 21 Orchester, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden.

Wie haben Sie die Studie konkret durchgeführt?
Nachdem ich die Museen und Orchester mit Social-Media-Präsenz ermittelt hatte, habe ich mir die einzelnen Profile bzw. Kanäle angesehen. Ich habe je nach Profil spezifische Untersuchungskriterien aufgestellt und bin Museum für Museum, Orchester für Orchester durchgegangen. Am Beispiel Twitter sah das etwa so aus: Anzahl Follower; Anzahl Following, Biografie, Twitterer bekannt, Hintergrundbild, Profilbild, wie oft gelistet, Anzahl Tweets insgesamt, letzter Tweet, Anzahl Tweets/Tag; Anzahl Tweets/Woche, Inhalt Tweet, Anzahl der Retweets, Interaktion, Sprachwahl, Nutzung Hashtags, „Kurioses, Besonderes, was auffällt“, verwendete Sprache. Aus den Ergebnissen dieser Kriterien ergibt sich dann meine Analyse und Einschätzung. Ergänzend habe ich Interviews mit einigen Repräsentanten durchgeführt, die zusätzlich ganz konkrete Tipps und Empfehlungen aus der Praxis geben. Gerade durch die Interviews werden oftmals Handlungsmuster der Museen und Orchester deutlich.

Und wie haben Sie diese Interviews geführt?
Bis auf eines (das war schriftlich) habe ich alle Interviews persönlich oder telefonisch durchgeführt. Die Interviews fließen allerdings nicht in die Auswertung der Studie ein, sondern haben ergänzenden Charakter.

Welche Erkenntnisse hat die Studie bisher im Hinblick auf die Nutzung von Social Media ergeben?
Auffallend finde ich, dass die meisten Einrichtungen nur ein bis maximal zwei Plattformen nutzen und dass die entsprechenden Profile nur selten untereinander vernetzt sind. Von diesen Plattformen sind Facebook, Video-Portale und Twitter die beliebtesten. Von der Nutzung verschiedener Social-Media-Profile, und damit einer zielgruppenspezifischen Ansprache, scheinen Kultureinrichtungen also noch weit entfernt zu sein.
Schaut man sich die einzelnen Profile näher an, fällt auf, dass wenige tatsächlich Konversation betreiben. Ein wirklicher Dialog zwischen Museum/Orchester und Stakeholdern findet nur selten statt.

Gibt es signifikante Unterschiede zwischen Museen und Orchestern?
Nein, signifikante Unterschiede in der Qualität der Kommunikation zwischen Museen und Orchestern konnte ich bisher noch nicht feststellen.
Lediglich in der Wahl der Plattformen gibt es einen kleinen Unterschied. Während bei Orchestern, nach Facebook, die Video-Portale an zweiter Stelle der Beliebtheitsskala stehen, ist es bei den Museen Twitter.
Die Zahl der Orchester, die nur auf einer Plattform präsent ist, liegt auch wesentlich höher (rund 52 %), während es bei den Museen nur 34 % sind; d.h. das Gros der Museen ist bei zwei oder noch mehr Plattformen präsent.

Wenn Sie ein Zwischenfazit ziehen: Was ist wichtig, damit kulturelle Institutionen das Social Web erfolgreich nutzen können?
Die Fähigkeit zuzuhören und das Gespräch mit den Fans/Freunden zu suchen, sie einzubinden, ihnen interessante Inhalte zu bieten, einen Blick hinter die Kulissen zu zulassen und nicht nur Veranstaltungsankündigungen los zu werden.

Welches Feedback haben Sie von den untersuchten Häusern erhalten?
Viele der Häuser wissen ja (noch) gar nicht, dass sie untersucht wurden. Die Namen werde ich in Kürze veröffentlichen.
Ein Feedback gab es in erster Linie von den Häusern, deren Repräsentanten ich befragt habe. Alle sechs Häuser haben auf meine Interviewanfrage äußerst positiv reagiert. Andere Museen und Orchester haben dann reagiert, wenn sie im entsprechenden Blogpost positiv erwähnt wurden.
Kultureinrichtungen, die weder auf eine Nachfrage noch eine Interviewanfrage reagiert haben, waren die Ausnahme.

Ihre Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, wie lange werden Sie die Arbeit an der Studie fortsetzen?
Ich denke, dass ich die Studie spätestens bis zur stARTconference abgeschlossen haben werde. Denn dort werde ich sie ja auch vorstellen.
Anders verhält es sich mit den Interviews. Diese Reihe würde ich gerne fortsetzen. Da bin ich auch offen für Anfragen.

Münden die Ergebnisse in einer Publikation?
Einen Teil der Ergebnisse habe ich bereits in Form von Blogposts auf meinem Blog publiziert. Es wird aber auch auf jeden Fall ein E-Book geben. Aufgrund der Fülle der gesammelten und nicht-veröffentlichten Daten ist auch die individuelle Überprüfung eines Auftritts einer Kultureinrichtung denkbar, um gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

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TimeMap Berlin, eine “Zeitlupe” zur Entwicklung der Hauptstadt

Im Februar haben wir über TimeMap berichtet, ein neues Tool der englischen Agentur Shoothill, mit dem sich historische Karten und Pläne in Bing Maps einblenden lassen.

Nun hat Shoothill in Kooperation mit Culture to go und dem Stadtplan-Portal alt-berlin.info von Mirko Tamkus TimeMap erstmals in Deutschland eingesetzt. Für TimeMap Berlin haben wir aus dem reichen Fundus von alt-berlin.info vier historische Karten ausgewählt, an denen sich die städtebauliche Entwicklung Berlins von der Gründerzeit bis heute besonders gut verfolgen lässt.

Eine Karte von 1869 zeigt die Situation unmittelbar vor der rasanten Stadterweiterung in den Gründerjahren.

TimeMap Berlin, Karte von 1869

Wie man sieht, erstreckten sich im heute dicht bebauten Wilmersdorf damals noch Felder und Wiesen.  Über den Fade-Schieber kann die historische Karte stufenlos ein- und ausgeblendet werden. So erkennt man zum Beispiel sehr schön, welche Straßenzüge alten Wegen folgen (Uhland- und Güntzelstraße) und welche bei der Stadterweiterung neu angelegt wurden.

Der Stadtplan von 1893 zeigt die bereits voll entwickelte Metropole Berlin, der Plan von 1926 die Situation vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.

TimeMap Berlin, Karte von 1926

Besonders beeindruckend ist ein von Karl-Heinz Wirth gezeichnetes Luftbild der westlichen Innenstadtbereiche von 1957. Es zeigt den Zustand Berlins vor den großen Wiederaufbaukampagnen der 1960er und 1970er Jahre.

 TimeMap Berlin, gezeichnetes Luftbild von 1957

Die hier gezeigte Partie zwischen Nollendorf- undLützowplatz, also mitten in der City West, zeigt, dass noch zwölf Jahre nach Kriegsende ganze Blocks in Trümmern lagen.

Shoothill hat seit der ersten Version noch einmal erheblich in die Weiterentwicklung des Tools investiert. Das Design der grafischen Benutzeroberfläche ist nun sehr viel eleganter, und mit den Schiebereglern zur Einstellung von Rahmengröße und Transparenz sind zwei wichtige Funktionalitäten hinzugekommen.

Was uns an dem TimeMap-Konzept besonders fasziniert, ist die Leichtigkeit, mit der man sich durch das historische Material bewegt. Das Zusammenspiel des in Microsoft Silverlight programmierten Tools mit Bing Maps (wahlweise Luftbild oder Karte) funktioniert völlig reibungslos. Das ermöglicht eine fast spielerische Beschäftigung mit Geschichte. Hier wird authentisches Material unterhaltsam präsentiert, ein Ansatz, der sicher auch für Bildungsprojekte und Museen interessant ist.

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iPhone App Jardins de Versailles erobert die iTunes-Charts

Versailles, die ehemalige Residenz des Sonnenkönigs vor den Toren von Paris, gehört mit rund 10 Millionen Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Europas. Titelscreen der iPhone App Jardins de VersaillesIn Kooperation mit dem Telekom-Unternehmen orange (France Télécom) hat das Château de Versailles am 5. Juli 2010 eine iPhone App zu den Gärten von Versailles veröffentlicht.

Die App, es gibt eine Version in französischer und eine in englischer Sprache, kann bis zum 20. Juli 2010 kostenlos installiert werden. Danach wird sie 1,59 Euro kosten.

Man sieht der App an, dass mit den OrangeLabs ein potenter technischer Partner beteiligt war. Offensichtlich wollte man zeigen, was mit dem Medium iPhone App heute möglich ist.

Die App bietet zunächst einen virtuellen Rundgang für Interessierte, die sich nicht (oder noch nicht) in Versailles aufhalten. Dem Besucher der Gärten werden die Informationen auf zwei Wegen präsentiert:

1.  Der Besucher kann sich über ein Luftbild orientieren und/oder frei umherspazieren. Die Application informiert ihn über ein Vibrationssignal, wenn sich ein Point of Interest (POI) in der Nähe befindet.

2. Oder er nutzt die Augmented-Reality-Ansicht und erhält die POIs in den Livestream der Smartphone-Kamera eingeblendet.

Die Medieneinheiten zu den Sehenswürdigkeiten im Park sind hochwertig und aufwendig produziert. In Videosequenzen und vertonten Slideshows kommen Kuratoren, Architekten und Gärtner zu Wort, Fotostrecken im Cover Flow vermitteln auch dem Nutzer zu Hause einen Eindruck der prachtvollen Gartenlandschaft. 

Die Application (126  MB) funktioniert vollständig offline, im Hinblick auf die vielen ausländischen Besucher, die bei online-Inhalten hohe und kaum abschätzbare Roaming-Gebühren zu erwarten hätten, sicher eine gute Entscheidung.

Screenshot aus der App PositionApp zu Gardens of VersaillesSchon in der ersten Woche nach ihrer Veröffentlichung belegt die App zu den Gärten Versailles in den Download-Statistiken beeindruckende Ränge. Nach den Charts des Analyse-Tools PositionApp  ergibt sich das folgende Bild (Stand: 13. Juli 2010):

In vier Ländern (Griechenland, Irland, Portugal und Italien) rangiert die englische Version unter den Top 300 der Gesamtstatistik, die alle Kategorien mit einbezieht.

In 20 Ländern ist diese Version  unter den Top 300 der Kategorie Education zu finden (bis auf Brasilien alles europäische Länder), in drei Ländern belegt sie den ersten Platz (Belgien, Griechenland und Irland) und in zwölf Ländern ist sie unter den Top 10 der Kategorie Education vertreten. Interessanterweise fehlt Deutschland in dieser Liste.

Die französische Version ist immerhin noch in 13 Ländern unter den Top 300 der Kategorie Education zu finden, in Frankreich selbst belegt sie Platz 3.

Soweit wir sehen, ist ein so schneller internationaler Erfolg im Bereich Museum App ohne Beispiel. Sicherlich wird das Auslaufen der Gratis-Periode am 20. Juli auch Auswirkungen auf die Downloadzahlen haben. Man wird sehen, ob schon ein sehr moderater Preis von 1,59 Euro die Platzierungen nachhaltig beeinflusst.

Abbildung der Titelseite mit freundlicher Genehmigung von Chateau de Versailles. Alle Rechte vorbehalten.

Nachtrag: Die Zeit, in der die App kostenlos heruntergeladen werden kann, wurde inzwischen bis zum 1. August 2010 verlängert.

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i-MiBAC – iPhone App zu Italiens archäologischen Stätten und Museen

Nach Frankreich (CultureClic) legt nun auch das italienische Kultusministerium (Ministerio per i Beni e le Actività Culturali; MiBAC) eine umfassende iPhone App zu den Kunstschätzen des Landes vor. Seit dem 1. Juli 2010 steht die kostenlose Application „i-MiBAC – Top 40“ in Apples App Store in einer italienischsprachigen Version zum kostenlosen Download bereit.

Sie bietet, wie der Zusatz „Top 40“ andeutet, eine begrenzte Auswahl an kulturellen Highlights: Museen, archäologische Stätten, Kirchen, Palazzi usw. Der undankbaren Aufgabe, aus dem überreichen Angebot Italiens die 40 wichtigsten Sehenswürdigkeiten auszuwählen, hat man sich mit kühler Rationalität entledigt: Aufgenommen wurden einfach die 40 meistbesuchten Institutionen und Denkmäler – die Charts mit den genauen Besucherstatistiken (und ausführlichen Hinweisen zur Erhebungsmethode) kann man über den Button „40“ jederzeit aufrufen.

Screenshot aus der App i-Mibac

Die App präsentiert das Material in Karten und Listenansichten in drei Kategorien: 25 Museen, 14 Monumente und 10 „Percorsi“, also Touren. Sie gruppieren zwischen drei und 16 Sehenswürdigkeiten, die in mehr oder weniger engem thematischem und räumlichem Zusammenhang stehen. Bei den fünf archäologischen Denkmälern an der Via Appia leuchtet das sofort ein: Man folgt der antiken Fernstraße und schaut sich die Grundmauern einer römischen Villa, Grabmonumente und ein Kolumbarium an. Bei dem „Percorso“ unter dem Titel „Castel del Monte“ führt die Reise aber von Trani bei Bari an der Adria bis Syrakus auf Sizilien, um drei Kastelle des Stauferkaisers Friedrich II. zu besuchen – sicherlich kein Sonntagsausflug. Hier wirkt die Auswahl doch etwas willkürlich, der praktische Nutzen ist beschränkt.

Screenshot aus der App i-MiBAC

Als Zugabe spendiert die i-MiBAC-Redaktion dem Nutzer noch die Rubrik „Top Secret“. Hier werden nun elf Orte vorgestellt, die im Gegensatz zu den Top 40 schlecht zugänglich sind, verspricht ein Pop-up. Das Kolosseum ist mit Detailaufnahmen von Fresken und Mosaiken vertreten, die italienischen Feuerwehr mit einem Film über die Bergung von Kunstwerken nach dem Erdbeben in den Abruzzen – ein Kessel Buntes.

In der Rubrik „Audio“ finden sich nicht etwa Audiokommentare zu den Sehenswürdigkeiten, sondern ein Dutzend kurzer Auszüge Alter Musik, die jeweils auf ein Kunstwerk bezogen sind, etwa Die Kreuzigung aus der Rosenkranzsonate von Heinrich Ignaz Franz von Biber zu einer Kreuzigung von Crespi in der Mailänder Brera.

Praktisch: Aus der App heraus kann man für den „Circuito Archeologico“ in Rom (Kolosseum, Palatin, Forum Romanum) Eintrittskarten reservieren und spart sich so das Schlangestehen. Außerdem gibt es eine News-Seite, Morphing zwischen verschiedenen historischen Zuständen, Bildstrecken, eine Facebook-Schnittstelle und die Möglichkeit, Sehenswürdigkeiten als Favoriten zu markieren.

In i-MiBAC stecken viele gute Ideen, doch es fehlte offenbar der Wille, daraus eine in sich schlüssige, für den Nutzer intuitiv erfassbare Konzeption zu formen. Das fällt natürlich besonders auf, wenn man – wie der Verfasser – am Schreibtisch sitzt und sich durch das Informationsangebot klickt. Bei einem Campari an der Piazza Navona sieht man das vielleicht etwas gelassener und geht in der Fülle an Texten und Bildern auf Schatzsuche. Ich werde es jedenfalls bei nächster Gelegenheit ausprobieren.

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Kulturführer per Near Field Communication (NFC): Großversuch in Nizza und Umgebung

International wird zur Zeit intensiv im Bereich Near Field Communication (NFC) geforscht. Bei dieser Technik tauscht  ein Mobilgerät mit einer mobilen oder stationären Schnittstelle Daten über extrem kurze Distanzen aus. Die minimale Reichweite ist immer dann interessant, wenn sicher sein muss, dass genau die richtigen Partner in Kontakt treten, etwa beim bargeldlosen Bezahlen.

Man traut dieser Technologie den nächsten großen Schub in der Mobilkummunikation zu. Denn sie könnte etwa den Wust an Plastikkarten im Portemonnaie überflüssig machen und die Abläufe an Kassen und Check-in-Schaltern erheblich beschleunigen. Praktische Bedutung hat NFC aber momentan noch nicht, weil kaum geeignete Geräte auf dem Markt sind.

In Frankreich wagt sich nun ein Konsortium aus Telekommunikationsanbietern, der Université Nice Sophia Antipolis (UNSA) und der Regionalverwaltung der Côte d’Azur dennoch an einen Großversuch mit realen Nutzern. Dabei spielt auch die Vermittlung von kulturellen Informationen eine wichtige Rolle.

Das am 26. Juni 2010 gestartete Teilprojekt CHEMIN macht das eigene Handy zum Multimedia-Guide. Wer mit einem geeigenten Handy über die in der Region verteilten NFC-Tags fährt, kann multimediale Inhalte zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten abrufen. „Das Mobiltelefon jedes Touristen wird so zu einem neuartigen Audioguide, die Städte und Dörfer werden zu Freilichtmuseen“, heißt es in der Ankündigung der Communauté d’Agglomération de la Riviera Français. Die Informationen umfassen demnach unter anderem Audiokommentare, Texte, Fotos, Videos und Wegbeschreibungen.

Screenshot vom Portal Cityzi

Damit für dieses interessante Angebot überhaupt mit geeigneten Geräten ausgestattet Nutzer vorhanden sind, haben die beteiligten Mobilfunkfirmen Orange-France, SFR, Bouygues Telecom und NRJ Mobile ihren Kunden in Nizza rund 4.000 NFC-Handys verkauft. Unter dem Label “Cityzi” werden entsprechend aufgerüstete Smartphones von Samsung (S5230) eingesetzt. Außerdem sind die Tags so ausgelegt, dass sie auch über einen 2-D-Tag-Reader ausgelesen werden können.

Frankreich geht mit diesem von der Regierung und der Europäischen Union geförderten Projekt im zukunftsträchtigen Bereich Near Field Communication in die Offensive. Eine Ausweitung auf den Großraum Paris ist laut NFC Times  für 2011 geplant. Sympathisch, dass von Anfang an die Information der Kulturbegeisterten gedacht wurde.

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Interview mit Roland Wagner von Visitatio: Twitter Ranking der Museen

Im heutigen Interview mit Roland Wagner, dem Geschäftsführer von Visitatio, einer Internetplattform für Sehenswürdigkeiten, geht es um das Ranking twitternder Museen.

Jörn Brunotte: Seit wann gibt es das Twitter-Ranking?

Roland Wagner: Begonnen hat Visitatio mit dem Twitter-Ranking im Februar. Innerhalb kurzer Zeit wurde diese neue Rubrik in unserem Portal ein richtiger „Hingucker“. Es hat sich herumgesprochen in der Twitter- und Webgemeinde. Das nächste Ranking gibt’s am 1. Juli, das ist übrigens der 2. Geburtstag unseres Portals!

 Wie ist die Idee entstanden?

Nun, ich habe mit Interesse monatlich das Hotel-Twitter-Ranking von www.consale.de verfolgt. Faszinierend fand ich die Dynamisierung der Twitteraktivitäten die davon für die deutsche Hotel-Landschaft ausgingen. Visitatio, das Portal für Sehenswürdigkeiten im Web, hat unter den über 17.500 Sehenswürdigkeiten, die unsere Besucher bei uns finden können, auch über 3.700 Museen erfasst. Logisch, dass ich twitternden Museen gefolgt bin. Allerdings waren es nicht wirklich viele, die zu finden waren. Ich beobachtete ihr Tun und als dann für den 1. Februar der „Follow a Museum Day“ angekündigt wurde, war es der richtige Moment, mit dem Twitter-Ranking zu beginnen.

 Welche Museen werden beim Visitatio Twitter-Ranking gelistet?

Alle Museen und ausstellenden Kunstvereine, die aktiv twittern! Wobei das Wort aktiv unterstrichen werden muss. Denn wer länger als ein Jahr schweigt, fliegt aus der Liste. Das ist in den letzten Monaten sogar schon einem recht bekannten Museum – dem Lehmbruck Museum Duisburg – passiert. Museumsportale wie museumportal, Ausstellungen oder Museumszusammenschlüsse wie Erlebnismuseen finden der Liste keinen Platz, da es uns wirklich um die Twitter-Aktivitäten der einzelnen Häuser geht.

 Welche Kriterien liegen dem Ranking zu Grunde?

In der Basis der Bewertung verwenden wir den Bewertungsservice von www.grader.com/. Dieser Dienst berechnet mit einem ausgeklügelten Algorithmus die Anzahl der Verfolger und ihre Qualitäten in mehreren Ebenen. So sind Verfolger, die selbst aktiv sind und wiederum viele aktive Verfolger besitzen, das wesentliche Kriterium. Auf diese Weise ist es denkbar, dass ein Museum, welches 1.000 Verfolger hat die, sagen wir jeweils nur von 10 Leuten beobachtet werden, schlechter platziert ist, als ein Haus mit 300 Verfolgern, denen aber 500 aktive Twitterfreunde folgen.

Da es bei diesem Ranking aber immer wieder Punktgleichstand gibt, bewertet Visitatio darüber hinaus die Aktivität des Museums über den Durchschnitt der Tweeds pro Tag. So bekommen wir eine klare Reihenfolge.

 Wie häufig findet das Ranking statt?

Einmal im Monat. Veröffentlicht wird die Liste immer in den ersten fünf Tagen des Monats.

 Gibt es eine Tendenz und Kriterien, welche Häuser mit ihren Aktivitäten auf Twitter erfolgreich sind? 

Es ist die richtige Mischung aus der genügenden Anzahl von Verfolgern und regelmäßigem „Gezwitscher“, welche für eine gute Platzierung sorgt. Eine wirkliche Erfolgsgeschichte hat da das Museum Neukölln aus Berlin vorzuweisen. Es hat erst einen Tag nach unserem ersten Ranking seinen Account eingerichtet. Einen Monat später hatten sie schon 159 Verfolger und informierten ihre Fans täglich mit durchschnittlich sechs Nachrichten. Heute haben sie 489 Verfolger und twittern nach wie vor sehr aktiv. Welchen Platz sie aktuell haben verrät die nächste Rankingliste.

 Bekommen Sie auch Feedback, etwa von den Museen?

Das wichtigste Feedback sind für uns die Besucherzahlen. Tausende Besucher unserer Seite haben sich bisher für die Rankingliste interessiert. Einige Blogs haben über unsere Liste berichtet auch die Twittergemeinde sorgt für eine schnelle Verbreitung der aktuellen Daten. Einzelne Museen haben sich mit uns direkt in Verbindung gesetzt, die Listen kommentiert, Fragen gestellt, was sie tun sollten, um sich zu verbessern oder einfach nur über ihre Platzierungen gefreut.

Eine besondere Form des Feedbacks ist es für mich, wenn Twitter-Kontakte aus ihrer virtuellen Netzanonymität ausbrechen und zu einem reale Kontakt werden. So habe ich den Direktor des Müritzeums Waren, Thomas Kohler, auf der ITB in Berlin getroffen. Es war ein sehr angeregtes Gespräch über sein Haus, unser Portal und die interessante neue Form der Kommunikation und des Marketing via Twitter.

Welche Rolle spielt nach Ihrer Einaschätzung Twitter für die Museen?

Ich möchte auch bei dieser Frage auf Thomas Kohler zurückgreifen. Auf die Frage in einem Interview: „Wenn Sie einen Museumsdirektor überzeugen wöllten, warum sollte er twittern?“ antwortete er kurz und knapp: „Kinderleicht, kein Risiko, keine Kosten“ Unter den finanziellen Zwängen, denen viele Museen ausgesetzt sind, ist diese eher kaufmännische Betrachtung des Themas Twitter sicherlich beachtenswert.

Glauben Sie, dass Twitter für Museen in Zukunft eine größere Rolle spielen wird?

Ich persönlich denke, dass noch deutlich zu wenig Museen dieses neue Kommunikationsinstrument eher aus der Distanz betrachten. Twitter ist ein qualifizierbarer (über das Einrichten von Listen) Nachrichtenticker in Echtzeit auch über Kunst, Kultur, Museen und Ausstellungen. Twitternde Museen erfahren so recht schnell was die Kollegen hier im Land und der ganzen Welt bewegt, was sie selbst bewegen und was ihnen Denkanstöße gibt. Twitter bietet Museen eine einfache Art wichtige Informationen an die Presse weiterzuleiten, wenn konventionelle Presseverteiler schon lange nichts mehr bewirken. Twitter schafft mühelos ein Netzwerk zwischen Museen, Wissenschaftlern, Journalisten und Museumsenthusiasten. Twitter ist zwar noch nicht die Plattform, um mit Museumsbesuchern zu kommunizieren, aber im Ensemble der Marketingtools für ein Museum bekommt es immer größere Möglichkeiten.

Und ganz im Ernst: Twitter ist für mich auch eine Art Gehirnjogging und Kreativtraining, welches kaum Zeit beansprucht aber einen hohen Anspruch besitzt. Für mich ist es jedesmal eine Herausforderung mit nur 140 Zeichen eine Information zu erschaffen, die viele Interessenten dazu bringt sie zu lesen und verknüpfenden Link zu klicken.

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1001 Stories – Dänemark erschließt Kulturschätze durch Social-Media-Portal

Mit dem Portal “1001 Stories of Denmark” bietet die dänische Denkmalbehörde KULTURARV einen ganz neuen Zugang zu den Sehenswürdigkeiten des Landes. Die Seite sammelt “Geschichten” zu kulturell interessanten Orten in Dänemark. Natürlich sind Highlights wie das ehemalige Königsschloss Christiansborg in Kopenhagen dabei, aber auch kleinere Kirchen, viele Industriedenkmäler oder auch ein einfaches Steinkreuz am Wegesrand. Zu den Cultural Heritage Sites bekommt man in der Regel ein Bild, einen Text (meist ein klassischer Kommentar zur Geschichte des Objekts) und die Vertonung des Textes durch professionelle Sprecher. Ein Großteil der Seite ist auch in einer englischen Sprachversion verfügbar. 

Zwei Aspekte heben dieses Kulturreiseportal von vergleichbaren Angeboten ab: Die Vielfalt der Zugänge und die Öffnung für die Nutzer im Sinne eines Social-Media-Portals.

Die virtuelle Reise durch die Kulturlandschaft Dänemark wird meist über das großflächige Kartenmodul beginnen. In einer eingebetteten Google Map sind die Sehenswürdigkeiten eingetragen, wo sie gehäuft auftreten, sind sie zu Gruppen zusammengefasst.

Startseite von 1001 Stories of Denmark

Man kann aber auch in einer der zahlreichen Rubriken stöbern, in denen das Material thematisch geordnet ist. Zum Thema Industriekultur etwa bietet das Portal einen längeren Einführungstext und 69 “Stories” zu einzelnen Orten und Denkmälern. 

Schön gelöst ist der chronologische Zugang über eine “Timeline”: Hier sind alle Points of Interest nach ihrer Entstehungszeit geordnet.

Origineller – und ambitionierter – ist die Web 2.0-Komponente des Portals. Der Anfangsbestand an “Stories” wurde von 180 professionellen Autoren, etwa den lokalen Museumsleuten, Denkmalpflegern und Historikern angelegt. Nun kann aber jeder Nutzer einen Account anlegen und eigene Geschichten einstellen oder bestehende durch Bilder, Videos, Kommentare etc. ergänzen.  So kann die gesamte interessierte Community des Landes, Kuratoren, Denkmalschützer, Historiker, Lehrer, Studenten, Stadtführer und natürlich auch Laien am weiteren Ausbau des Angebots mitwirken. 

Um diese “freien Mitarbeiter” zu motivieren, bietet das Portal ein breites Spektrum an Social-Media-Funktionalitäten. Man kann unter anderem  kommentieren, bewerten, anderen Nutzern folgen, besuchte und für einen Besuch vorgemerkte Orte markieren.

Die Aktivitäten der angemeldeten Nutzer erscheinen in Echtzeit wie bei Twitter in einem Feed. Momentan wirkt dieses beeindruckende Instrumentarium noch etwas überdimensioniert. Der professionell erstellte, qualitativ hochwertige  Anfangsbestand an Informationseinheiten dominiert das Portal sehr deutlich.

1001 Stories of Denmark ist Ende Mai 2010 gestartet. Die eigentliche Bewährungsprobe, das Funktionieren als echtes Social-Media-Portal über einen längeren Zeitraum, steht also noch aus.

Dänemarks aufwendiges Kulturportal, in das rund 1 Million Euro Fördergelder geflossen sind,  hat gute Aussichten, diesen schwierigen Sprung zu schaffen und könnte dann Vorbild für andere Regionen und Länder sein.

Kurioserweise ist es bislang mobil kaum nutzbar, weil eine für Smartphones optimierte mobile Version fehlt – oder eine 1001 Stories of Denmark App fürs iPhone und Android-Geräte.

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