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Mobile Devide – erreichen Museen mit Smartphone-Angeboten ihre Zielgruppen?

Smartphone-Apps für Museen sind (auch in Deutschland) längst keine Seltenheit mehr, und einige Kultureinrichtungen bieten ihren Besuchern auch schon Websites, die sich mit dem mobilen Browser gut anschauen lassen (siehe unsere Zusammenstellung). Aber erreichen die Häuser damit ihre Zielgruppen? Kann ein durchschnittlicher Museumsbesucher diese Angebote überhaupt nutzen?

Die noch vor kurzem bei Museumsleuten häufig gehörte Auffassung, Apps seien zwar schick, innovativ und gut für’s Image, gingen aber am größten Teil der eigenen Klientel vorbei, hat sich etwas relativiert. Smartphones sind zum festen Bestandteil unseres Alltagslebens geworden, der Marktanteil der internetfähigen Smartphones beträgt nach neuesten Zahlen von Nielsen nun 30% – Tendenz steigend.

Doch die zitierte Studie belegt auch, dass Smartphones noch immer besonders bei jüngeren und technikaffinen Menschen Anklang finden. So sind 53% der Smartphone-Nutzer jünger als 35 Jahre (Bevölkerungsanteil der unter 35jährigen: 23%; Quelle: Statista).

Nun könnte man denken, dass sich dieses Profil im Laufe der Zeit abschleift und die internetfähigen Mobilfunkgeräte bald auch bei weniger innovationsfreudigen Menschen zum Standard werden. Interessant sind in diesem Zusammenhang die von der Initiative D21 in Auftrag gegebenen Nutzertypenstudien “Digitale Gesellschaft” der Jahre 2009-2011. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Marktpenetration von Smartphones soziodemografisch recht unausgewogen verläuft. Der Mobile Devide, die Kluft zwischen Nutzern und Nichtnutzern des Mobile Web wird nicht nennenswert kleiner.

In den von TNS Infratest durchgeführten Untersuchungen wird die Gesamtheit der Deutschen nach ihrem digitalen Verhalten, vorhandener Ausstattung und Kompetenzen in sechs Nutzertypen unterteilt. Sie reichen vom “Digitalen Außenseiter” bis zur “Digitalen Avantgarde”.

Ein erster für unseren Zusammenhang interessanter Befund ist, dass sich der Anteil der Typen an der Bevölkerung nur langsam ändert und die Dynamik der Entwicklung hin zu einer “Digitalen Gesellschaft” eher nachlässt.

Nutzergruppen - Anteil an der Bevölkerung. Quelle: Studie Digitale Gesellschaft

Datenquelle:  Studien “Digitale Gesellschaft”

Noch deutlicher wird dieser nachlassende Trend, wenn man die Nutzertypen, wie in der Studie 2011 im Zusammenhang mit der Social Media-Nutzung vorgeschlagen, zu zwei Cluster zusammenfasst: den “Wenig Erreichten” (Außenseiter, Gelegenheitsnutzer, Berufsnutzer) und den “Digital Souveränen” (Trendnutzer, Profis, Avantgarde). 

Nutzergruppen aus "Digitale Gesellschaft" 2009-2011

Datenquelle:  Studien “Digitale Gesellschaft”

Betrachtet man nun, wie sich bei diesen Typen die Verfügbarkeit von mobilem Internet auf dem Handy (Smartphone) im Laufe der drei untersuchten Jahre (2009-2011) gewandelt hat, wird deutlich, dass wir nicht mit einer demografisch gleichmäßig zunehmenden Penetration des Mobilfunkmarktes ausgehen können:

Mobiles Internet bei den Nutzergruppen der Studien "Digitale Gesellschaft"

Datenquelle:  Studien “Digitale Gesellschaft”

Die zunehmende Verbreitung von Smartphones betrifft vor allem die digital avancierteren Typen, die “Spätzünder” holen nicht nennenswert auf, wie noch etwas deutlicher wird, wenn man die Nutzertypen wieder gruppiert.

 Nutzertypen gruppiert - Zugang mobiles Internet

Datenquelle:  Studien “Digitale Gesellschaft” 

Natürlich lässt sich die in den Studien verwendete Segmentierung nicht eins zu eins auf die soziodemografische Struktur der Museumsbesucher übertragen, zumal diese je nach Museumstyp ganz unterschiedlich sein kann. So sind die Digitalen Außenseiter nach ihrer Altersstruktur (Durchschnitt 62,5 Jahre; 2011), nicht aber nach ihrem Bildungsstand (geringe formale Qualifikation) bei den Museumsbesuchern überrepräsentiert.

Man kann die Ergebnisse von “Digitale Gesellschaft” aber als Hinweis nehmen, dass sich die Verbreitung und Durchsetzung von Smartphones nicht unbedingt nach den klassischen Vorstellungen eines Innovationszyklus vollziehen wird, bei dem die neue Technik kontinuierlich an Akzeptanz gewinnt bis sie schließlich bei allen angekommen ist.

Eine Schlussfolgerung könnte sein, Smartphone-Angebote inhaltlich und gestalterisch ganz bewusst auf den jüngeren und technikaffineren Teil des eigenen Publikums zuzuschneiden. Vor allem sollte für all jene, die nicht über ein Smartphone verfügen, ein alternatives Informationsangebot zur Verfügung stehen.

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">9. Dezember 2011


Augmented Reality im Museum – Pausanio startet Wettbewerb

Dauerbrenner Objektortung

Museen, die ihre Besucher mit mobilen Geräten über ihre Exponate informieren möchten, sehen sich schon immer mit einer zentralen Frage konfrontiert: Wie funktioniert die Zuordnung von Objekt und Information?

Beim klassischen Audioguide tippt der Besucher eine dreistellige Nummer ein – keine wirklich elegante Lösung. Geräte mit Touchscreen ermöglichen mehrfache Zugänge, etwa über interaktive Grundrisse mit Objektnummern, Listen, Cower Flows … Automatische (WLAN-Triangulation) oder halbautomatische (Infrarot-Baken) Lösungen, mit denen bei PDA-gestützten Systemen experimentiert wurde, haben sich nicht durchgesetzt.

Neue Technologien: QR und AR

Zur Zeit erscheinen vor allem zwei Lösungsansätze vielversprechend: Quick Response Codes (QR) und Augmented Reality (AR).

Beim Mobile Tagging fotografiert der Besucher einen quadratischen Marker, den QR Code, mit seinem Smartphone, den eine spezielle Reader-App zu einem Link dekodiert, über den sich die passende Information aufrufen lässt. (Siehe die Beispielsammlung in unserer Mediathek.)

Augmented Reality (AR) nutzt ebenfalls die Kamera des Smartphones. Hier wird die Information aber als zusätzliche Ebene (Layer) über den Livestream der Kamera geblendet. Der Nutzer sieht also gleichzeitig das Objekt und die Medieneinheiten (Text, Vergleichsabbildungen, Links …)  zum Objekt. Unter freiem Himmel erfolgt die Zuordnung der richtigen Informationseinheiten zum jeweiligen Objekt über die Lokalisierung des Geräts. Über GPS ist der Standort bekannt, über den eingebauten Kompass die Blickrichtung. Bei größeren Objekten, beispielsweise Skulpturen in einem Park oder Bauten in der Stadt, ist damit bereits eine intuitive “Navigation” durch die angebotenen Informationen möglich. 

In Gebäuden fällt allerdings die GPS-Ortung in der Regel weg, und für die hohe Konzentration von Exponaten, wie sie für Museumspräsentationen typisch ist, wäre auch die Kompassfunktion nicht hinreichend genau. Die Lösung: Der Videostream der Smartphone-Kamera wird von einer Bilderkennungssoftware analysiert und mit einer Datenbank abgeglichen. Erkennt das System ein Objekt, ruft es automatisch die passende Information auf und blendet sie ein. (Siehe die Beispielsammlung in unserer Mediathek.)

AR im Museum - Montage zur Illustration der geplanten Pausanio-App

Der Wettbewerb

Der Kölner Anbieter Pausanio, der ein Audioguide-Portal betreibt und iPhone-Apps für Museen realisiert, startet nun einen Wettbewerb, um diesen vielversprechenden Ansatz voranzubringen.

Museen können sich mit einem Foto bewerben, auf dem die Belegschaft des Hauses ein Kunstwerk aus der eigenen Sammlung szenisch interpretiert. Zu gewinnen gibt es eine Gratis-App mit der neuen Technologie für das Museum. Einsendeschluss ist der 23. Dezember 2011. Weitere Informationen finden Sie hier

 Der Verfasser wird den Wettbewerb als Mitglied der Jury begleiten.

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Museen auf Tumblr – die eigene Sammlung über ein Mini-Blog präsentieren

Die Sozialen Medien werden inzwischen von vielen Museen eingesetzt, um gerade jüngere und medienaffine Zielgruppen auf zeitgemäße Weise anzusprechen. Neben den großen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Google Plus spielen dabei Blogs eine wichtige Rolle, wie Ulrike Schmid jüngst in ihrer umfassenden Studie gezeigt hat

Ein interessantes Format für Museumsblogs ist die sukzessive Präsentation der eigenen Bestände. In regelmäßigen Abständen wird dabei jeweils ein Objekt in einem Artikel vorgestellt. Schön umgesetzt hat dieses Konzept das Museum Neukölln: Unter dem Titel 99 x Neukölln: Vor dem Umzug in das neue Domizil wurden die Exponate der Dauerausstellung einzeln präsentiert.

 Einige Museen, meist aus den USA, verwenden dafür den Mini-Blogging-Dienst Tumblr. Der Vorteil: Ein Blog bei Tumblr ist in wenigen Minuten eingerichtet und sehr einfach zu bedienen. In der Tumblr Community können Blog durch einen Mausklick abonniert (“Follow”) werden, Nutzer können Beiträge mit einem Like-Button bewerten und an ihre Follower weiterleiten (“Reblog”).

Chicago History Museum – die puristische Variante

Der Reiz von Tumblr liegt in seiner Reduktion auf das Wesentliche. Diesem Prinzip folgt das Chicago History Museum mit seinem Fotoblog Chicago History in Pictures auf Tumblr. An jedem Werktag erscheint eine Fotografie aus der Sammlung des Museums.

 

Chicago History in Pictures - Fotoblog des CHM - Screenshot

 

Für den Monat November 2011, dem ersten, in dem das Museum den täglichen Rhythmus durchgehalten hat, lautet das Thema “Crime”. Zu sehen sind Bilder von Gangstern und ihren Gegenspielern bei der Polizei. Wenn das Museum dieses Konzept weiterführt, entstehen im Laufe der Zeit Bildstrecken von ca. 20 Aufnahmen zu jeweils einem Thema. 

Die Bildlegenden zu den gezeigten historischen Aufnahmen beschränken sich auf wenige Zeilen, gefolgt von Links zu einem Online-Service, bei dem eine Reproduktion bestellt werden kann.  Auf der “About” Seite des Blogs wird die Sammlung in einem Absatz charakterisiert, für alles Weitere wird auf die Homepage des Museums verwiesen. Chicago History in Pictures ist damit ein reines Fotoblog, das ganz auf die Attraktivität der gezeigten Bilder vertraut.

The Charleston Museum – ein Kurzkatalog in Blogform

Immer dienstags, begleitend zur Social-Media-Aktion #TextileTuesday, erscheint auf dem  Tumblr Blog des Charleston Museum  ein Beitrag zu einem ausgewählten Objekt aus der umfangreichen Textilsammlung des Hauses. Das Museum bewirbt damit zugleich die kürzlich eingerichtete Historic Textile Gallery.

 

 Tumblr Blog des Charleston Museum - Screenshot

 

Den hervorragenden Objektfotos sind längere beschreibende Texte beigegeben, sodass im Laufe der Zeit ein online verfügbarer Kurzkatalog der Sammlung entsteht. Über kleine Pfeile links und rechts des Bildes kann der Nutzer weitere Bilder aufrufen: andere Ansichten, Details, Vergleichsobjekte. 

National Archives – Tumblr als Baustein einer Kommunikationsstrategie

Today’s Document - Dokument des Tages -  heißt der Tumblr Blog der National Archives in Washington.

 

Tumblr Blog "Today's Document" der U.S. National Archives, Washington - Screenshot

Tatsächlich ist dieser Internetauftritt sehr viel ambitionierter, als dieser schlichte Titel vermuten ließe. Nicht nur, weil an einem Tag in der Regel zwei, drei oder mehr Dokumente präsentiert werden, sondern weil die vorgestellten Archivalien zum Anlass genommen werden, Schnittstellen zu den umfangreichen Aktivitäten des Archivs zu schaffen. Bei den acht Posts die vom 20. bis 22. November erschienen, sind dies beispielsweise:

  • Crowdsourcing-Kampagne Tag-it Tuesday: Das Museum fordert seine Nutzer auf, sich an der Verschlagwortung der eigenen Bestände zu beteiligen.
  • Verknüpfung mit Multimedia-Datei: zu dem gezeigten Redemanuskript von President Johnson gibt es den Tonmitschnitt der Rede zum Download.
  • Nutzerbefragung: Die Leser des Blogs sollten sagen, zu welchem Thema sie Material sehen möchten (Gewinner: Brücken)
  • Verweis auf ein weiteres Tumblr Blog: auch die Restaurierungsabteilung berichtet auf Tumblr über ihre Arbeit
  • Verweis auf eine aktuelle Ausstellung: Ein Foto dient als Aufhänger, auf die aktuelle Ausstellung “The Way We Worked” hinzuweisen

Ein Hinweis darauf, dass dieses Konzept aufgeht, ist die rege Beteiligung der Tumblr-Gemeinde. Das Foto von der Restaurierung der Verfassungsurkunde, mit dem auf das neue Tumblr Blog der Restaurierungsabteilung verwiesen wird, erzielte stolze 400 “Notes”, also Interaktionen von Nutzern, die den Beitrag mit einem “Like” bedacht oder weitergebloggt haben.

Dabei bleibt der Auftritt Tumblr-typisch schlicht und reduziert. Alle komplexeren Funktionalitäten, etwa ein Zoom-Tool, sind auf der Website der National Archives angesiedelt.

Für mobile Nutzer gibt es Today’s Document auch als Smartphone-App (iPhone und Android).

Ein nettes Extra: Der Cartoonist  Jon White begleitet das Blog auf Today’s Document Illustrated auf seine Weise:

Today's Document Illustrated von Jon White - Screenshot

Zu Beispielen für Museumsblogs auf Tumblr siehe auch unsere Mediathek-Seite; für Hinweise auf interessante Projekte sind wir immer dankbar.

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Europeana setzt verstärkt auf virtuelle Ausstellungen

Das reiche Kulturgut der europäischen Länder allen Bürgern frei zugänglich machen – dieses Ziel verfolgt die Europäische Union seit 2008 mit dem Projekt Europeana.  Das Portal erschließt die digitalen Bestände unzähliger Datenbanken von Bibliotheken, Museen und Archiven in den Mitgliedsländern der Europäischen Union.

Die Dimensionen des Unternehmens sind durchaus beeindruckend. Inzwischen sind über 10 Millionen Digitalisate verfügbar. Von dem Anspruch, “to become the reference point for European cultural content online”, wie er in den Empfehlungen eines Expertengremiums jüngst noch einmal formuliert wurde, ist Europeana aber noch weit entfernt. Selbst in den Kulturwissenschaften wird die Metadatenbank – soweit wir das einschätzen können – kaum genutzt, beim breiten Publikum ist sie oft nicht einmal dem Namen nach bekannt.

Um in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, setzt die Europeana nun vermehrt auf das Format “virtuelle Ausstellung”: Als “showcases” sollen sie thematisch eng begrenzte Teilbestände kuratorisch aufbereiten und in ansprechender Form präsentieren.

Das Angebot ist noch sehr überschaubar. In deutscher Sprache werden momentan drei Ausstellungen gezeigt: In der Sektion Judaica Europeana eine Präsentation zum jiddischen Theater in London und eine über jüdische Avantgarde-Künstler aus Rumänien, und im Bereich des Musical Instrument Museums Online (mimo) wird eine Auswahl historischer Instrumente vorgestellt.

Die Organisatoren der Europeana haben sich offensichtlich entschlossen, den Einzelprojekten hinsichtlich Funktionsumfang und Gestaltung enge Grenzen zu setzen. Die Darstellung der Medien findet in einem einheitlich strukturieren Template statt; das Design der einzelnen Ausstellungen unterscheidet sich lediglich durch das Farbschema.

Themenseiten Virtuelle Ausstellungen Europeana

 

Auch die inhaltliche Strukturierung ist ebenso simpel wie einheitlich: Über eine Startseite gelangt man zur Themenauswahl (siehe oben), für jedes Thema gibt es eine Abfolge von Einzelseiten, auf denen neben einem Katalogtext ein bis drei Digitalisate präsentiert werden. Dies geschieht als einfache Abbildung, über ein Zoom.it-Tool oder als Audiodatei zum Abspielen.

Europeana Virtuelle Ausstellung Von Dada zum Surrealismus - Exponatseite

 

Diese Reduktion auf das Wesentliche hat sicher einen gewissen Charme. Wer eine virtuelle Ausstellung der Europeana gesehen hat, findet sich auch in den anderen schnell zurecht. Auf längere Sicht könnte das Einheitsschema allerdings schon etwas ermüdend wirken. Fraglich ist auch, ob man komplexeren und prominenteren Themen in diesem Raster gerecht werden kann.

Völlig unübersichtlich geraten ist hingegen die Erschließung des Gesamtangebots an virtuellen Ausstellungen der Europeana. Auf der Seite “Virtual Exhibitions” prangen zunächst nur die Logos der Teilprojekte Europeana, Judaica Europeana, MIMO und Europeana Connect.

Seite "Virtual Exhibitions" der Europeana

Der Nutzer darf nun Ostereier suchen: Welche Ausstellungen verstecken sich wohl hinter welchem Logo. Wählt er eine Sprache aus, z.B. Deutsch, reduzieren sich die Logos auf die Teilprojekte, in denen Ausstellungen in deutscher Sprache vorhanden sind. Allerdings bleibt die Sprachauswahl nicht erhalten, wenn man aus einer Ausstellung zur Hauptseite zurückkehrt.

Noch haben die virtuellen Ausstellungen der Europeana erkennbar Pilotcharakter. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die angeschlossenen Bibliotheken, Archive und Museen dieses Tool nutzen, ihre digitalen Schätze zu präsentieren.

 

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">13. September 2011


Interview mit Dr. Stephan Adam: Social-Media-Strategie der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Dr. Stephan Adam ist Leiter der Abteilung Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Zu den Staatlichen Kunstsammlungen gehören 12 Museen von Weltruf wie etwa das Grüne Gewölbe, das Kupferstich-Kabinett, die Gemäldegalerie Alte Meister, die Porzellansammlung oder die Skulpturensammlung, die in berühmten Bauwerken beheimatet sind – u.a. im Residenzschloss, im Semperbau, im Zwinger oder im Albertinum. Neben der klassischen Pressearbeit leitet Herr Dr. Adam den Aufbau und die strategische Nutzung der Sozialen Medien für die SKD. Mit ihm sprach ich über die Vorteile und Perspektiven, die das Web 2.0 für Museen und Kulturinstitutionen bietet:

Jörn Brunotte: Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch die Sozialen Medien für die Museen?

Dr. Stephan Adam: Der wesentlichste Aspekt ist für mich die direkte wie auch schnelle, interaktive Kommunikation und Vernetzung mit einer vielgestaltigen Zielgruppe aus Besuchern, Wissenschaftlern, Multiplikatoren etc. Es ist kein Medium dazwischengeschaltet. Die Unmittelbarkeit und die Wechselseitigkeit der Kommunikation sind das Reizvolle sowohl für die SKD wie auch für unsere Ansprechpartner in den sozialen Medien. Die Nutzung dieser Kanäle ist selbstverständlich kein Ersatz für die Vermittlung von Inhalten über die klassischen Medien, schon wegen der Reichweite der großen Medien, aber eine sinnvolle Ergänzung. Wir können sagen, was wir wollen und es erreicht unverändert die Öffentlichkeit.

Durch den interaktiven Austausch haben wir zudem die Chance, ein schnelles Feedback zu unseren Aktivitäten zu bekommen, seien es nun Kommentare oder Anregungen zur Hängung einer Ausstellung, zum Programm einer Eröffnungsfeierlichkeit oder zur Wahl des DJ für eine Party der „Jungen Freunde“. Die Nutzer der sozialen Medien sind in am Geschehen beteiligt. Diese Offenheit und Unmittelbarkeit ist ein Gewinn und verändert das Image einer großen staatlichen Museumsinstitution.

Last but not least ist die Vielfalt der Profile der Nutzer sozialer Medien für uns spannend. Wir stehen mit einem äußerst vielseitigen Publikum in Verbindung, darunter eine große Zahl junger Leute, die wir über die klassischen Print- und audiovisuellen Medien viel weniger oder gar nicht mehr erreichen.

Seit wann bloggen Sie?

Mit der Schaffung eines völlig neuen Internetportals der SKD, das anlässlich des Festakts zum 450-jährigen Jubiläum der SKD im April 2010 online ging, ist auch der SKD-Blog etabliert worden. Die Einbindung der Social Media – Aktivitäten insgesamt ist integraler Bestandteil der Neukonzeption und -gestaltung unseres Webauftritts.

Wie häufig berichten Sie denn? Und worüber konkret?

Wir berichten fast täglich über all das, was die SKD ausmacht. Also über Dauer- und Sonderausstellungen, über Wissenschaftsprojekte oder Symposien und Kolloquien, über Veranstaltungsreihen, festliche Ereignisse und nicht zuletzt die internationalen Auftritte und Vernetzungen der SKD. Wir teilen mit, wenn wir besondere Gäste aus der Kunstszene, Museumswelt oder anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens haben und wir können auch die „Akteure“ der SKD wie Direktoren, Kuratoren oder Restauratoren ins Blickfeld rücken. Es kann auch der 100.000ste Besucher eines unserer Museen sein, den wir vorstellen. Ein bisschen ist es auch ein „Blick hinter die Kulissen“, soweit solche Inhalte über andere Kanäle nicht transportiert werden können, etwa deshalb, weil in bestimmten Medien schlicht der Platz dafür fehlt. Manchmal fehlt dort auch das Interesse. Dass wir im gerade zurückliegenden Jubiläumsjahr 2010 mit seinen herausragenden Museumseröffnungen und großen Ausstellungen eine schier unerschöpfliche Fülle an Themen kommunizieren konnten, liegt auf der Hand.

Wer ist denn bei Ihnen im Haus für den Blog zuständig?

Wir haben eine an die Abteilung Presse und Kommunikation gebundene Redakteurin, die die SKD genau kennt – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie die Inhalte, mit denen diese sich befassen. Sie ist bestens SKD-intern vernetzt und arbeitet mit den jeweiligen Museen und Institutionen der SKD eng zusammen.

Welche anderen Kanäle (bspw. Twitter, Facebook etc.) nutzen Sie?

Wir haben auf Twitter, Facebook und YouTube unser Netzwerk aufgebaut und entwickeln dieses stetig weiter. Über Twitter können wir wegen der vorgegebenen Kürze der Nachrichten viele Dinge nur anreißen. Wir versuchen dann aber in einem weiteren Schritt unsere anderen Kanäle, wie z.B. das Blog, zu nutzen, um umfassender und inhaltlich tiefer zu berichten.

Seit wir die großen Sonderausstellungen wie auch Eröffnungsveranstaltungen mit attraktiven Videos dokumentieren, die wir auf unserem Internetportal in der Rubrik „Museum erleben“ zeigen, können wir auch auf YouTube ein sehr gutes Angebot machen. Man kann z.B. auf diese Weise mit Georg Baselitz durch dessen Ausstellung in den Alten Meistern gehen oder einen Eindruck von der glanzvollen Eröffnung des Albertinums gewinnen. Sehr bald wird es auch einen Imagefilm über die SKD geben, der ebenfalls bei YouTube laufen wird.

Worin sehen Sie denn den Nutzen von twitter?

Für uns liegt der Nutzen von Twitter als Microblog darin, primär kurze, prägnante Nachrichten über unsere tägliche Arbeit zu kommunizieren. Das umfasst Vorbereitungen oder Ankündigungen zu Ausstellungen, Einladungen zu Veranstaltungen oder auch spannende Nachrichten aus unserer Twitter-Community, wie z.B. Informationen zu den Aktivitäten anderer Museen oder Kulturinstitutionen. Twitter bietet zudem unserer Community die Möglichkeit, unmittelbar mit uns in Kontakt zu treten. So erhalten wir wichtiges Feedback und sehen, was unsere Community interessiert und was nicht.

Wie haben Social Media Ihre Öffentlichkeitsarbeit verändert?

Sie haben das Instrumentarium der Öffentlichkeitsarbeit erweitert im Sinne dessen, was ich eingangs zu den Chancen ausgeführt habe.  Dafür mussten wir allerdings nicht das „Grundgesetz der Öffentlichkeitsarbeit der SKD“ verändern, denn mit einer immensen Fülle an Pressemitteilungen, Veranstaltungen, museumspädagogischen und Marketing-Aktivitäten bemühen wir uns ohnehin, aufgeschlossen, transparent in unserem Tun und ein ansprechender Mittler zur Kunst zu sein. Hier auch liegen nach wie vor die Schwerpunkte der Kommunikation. Wenn bestimmte Fernsehnachrichtenformate immer noch Millionen Menschen erreichen, und wir darin Berücksichtigung finden, dann macht das die Verhältnisse deutlich. Aber man muss das eine beibehalten, ohne das andere zu unterlassen. Wir müssen uns der Realität stellen und die Menschen eben überall dort zu erreichen suchen, wo sie erreichbar sind. Die Sendeanstalten und Redaktionen selbst verhalten sich ja ebenso.

Wie sehen Sie die Zukunft der Sozialen Medien für Museen?

Das kann ich nicht vorhersagen. Die Frage ist aber meines Erachtens zu eng gefasst, denn es geht letztlich nicht um die Zukunft der Sozialen Medien für die Museen, sondern zum Beispiel um Debatten, die Frank Schirrmacher mit seinem umstrittenen Buch „Payback“ angestoßen hat. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht, ob vielleicht eines Tages die eine Gesellschaft prägenden geistigen Eliten, zu denen auch die Direktoren und Wissenschaftler von Museen zählen, dazu beitragen, dass etwa das Lesen eines Dossiers in der „ZEIT“ einem neuen Zeitgeist entspricht. Mag sein, eine Bevölkerungsmehrheit schätzt statt schneller unrecherchierter Medienberichte wieder mehr die differenzierten, fundierten Nachrichten angestellter Redakteure, denen man dafür wieder den Raum gegeben hat. Und dann fehlte vermutlich die Zeit für stundenlange bzw. tägliche Aufenthalte im Netz in social communities. Vielleicht werden viel mehr Menschen als heute Musik hören und vor allem selbst musizieren,  sich mit bildender Kunst auseinandersetzen und viel Zeit im Museum verbringen, mehr anspruchsvolle Literatur lesen und Philosophie studieren. Wer weiß? Vielleicht strebt man nach Bildung, Erziehung, nach Substanz so sehr, dass man einfach keine Zeit mehr hat für Social Media? Vielleicht wird es eines Tages nicht mehr wichtig sein, wer soundsoviele Sekunden früher eine Nachricht von einer Bundespräsidentenwahl getwittert hat, und stattdessen findet man es wichtig, die Wahlgänge in der Bundesversammlung über die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zu verfolgen und hält es einfach aus, auf die Verkündigung des Wahlergebnisses ebendort zu warten. Ein weites Feld.  Welche Bedeutung die sozialen Medien in der Öffentlichkeitsarbeit in Zukunft auch immer haben werden, die Museen werden sich darauf einzustellen wissen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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Museums-Apps nur fürs iPhone?

Smartphone-Applications haben in den letzten Monaten einen kleinen Boom erlebt: Inzwischen werden im iTunes App Store mehr als 100 Museums-Apps angeboten. Dieser Boom spielte sich zunächst ausschließlich und immer überwiegend in der Domäne von Apples iOS ab: Angesprochen werden bislang fast nur die Nutzer des iPhone und mittlerweile auch des iPad. So sind von den 15 Museums-Apps mit dem höchsten Ranking  im iTunes App Store (Stand: 10. Januar 2011) nur drei auch mit einer Version im Google Android Market vertreten.

Für Museen war die Dominanz, die das iPhone – zumal in Deutschland und Europa – auf dem Smartphone-Markt hat, ein Segen. Die Entwicklung einer Smartphone-App ist teuer und bindet auch im Haus erhebliche Ressourcen. Einnahmen lassen sich mit den (oft kostenlosen) Anwendungen nicht oder nicht in nennenswerter Höhe erzielen. Da ist es willkommen, dass man bisher nur für ein Betriebssystem entwickeln musste.

Bislang war das iPhone schon deshalb maßgeblich, weil neben den Verkäufen des schicken Apple-Smartphones auch die Produktion von Applications florierte. Die universelle Einsetzbarkeit und nicht zuletzt der Spaß-Faktor des iPhones gründeten wesentlich auf den unzähligen verfügbaren Apps. Die konkurrierenden Plattformen hatten quantitativ und qualitativ nichts Vergleichbares zu bieten.

Neue Markzahlen deuten allerdings darauf hin, dass sich diese Situation bald ändern wird. Die auf das Monitoring des Mobile Web spezialisierte Firma Distimo hat in ihrem Report zum Jahr 2010 die in den App Stores der wichtigsten Smartphone-Betriebssysteme angebotenen Apps untersucht. Die Zahl der verfügbaren iPhone-Apps entwickelt sich zwar weiterhin dynamisch (+111%), doch Googles Android Market holt stark auf:  Die Zahl der Android-Apps stieg um 544% auf fast 130.000 Anwendungen.  Entwicklung der App Stores verschiedener mobiler Betriebssysteme

Es ist also absehbar, dass Apps für Android-Nutzer bald eine ebenso große Rolle spielen werden, wie dies im Bereich von iPhone, iPod Touch und iPad bereits der Fall ist. Und auch der Anteil der Android-Geräte am Smartphone-Markt steigt in rasantem Tempo. In den USA verläuft diese Entwicklung besonders dynamisch, wie die aktuellen Zahlen von StatCounter.com zeigen:

Anteil der mobilen Betriebssysteme am Gesamtmarkt in den USA:

Entwicklung des Smartphone-Markts in den USA

In Deutschland ist die Dominanz von Apple noch deutlich ausgeprägter, aber auch hier holen Android-Smartphones nach der Statistik von StatCounter.com erkennbar auf.

Anteil der mobilen Betriebssysteme am Gesamtmarkt in Deutschland:

Entwicklung des Smartphone-Markts in Deutschland

Nimmt man beide Entwicklungen – die Entstehung eines ernstzunehmenden Angebots an Android-Apps und das Vordringen von Android-Geräten im Smartphone-Markt – zusammen, wird deutlich, dass Museen bald Schwierigkeiten haben werden, ihre Konzentration auf einen Smartphone-Hersteller, nämlich Apple, zu rechtfertigen.

Mit ihren Apps erreichen Museen zur Zeit ohnehin nur den relativ geringen Anteil (ca. 5-20%) des Publikums, die über ein Smartphone verfügen. Wird dann auch noch ein großer Anteil der Smartphone-Besitzer frustriert, weil sie das ”falsche” Smartphone besitzen, stellt sich die Frage, ob die Investition in eine iPhone-App, gerade auch unter PR- und Marketing-Gesichtspunkten noch lohnt. Und die parallele Entwicklung von Apps für mehrere Betriebssysteme kommt sicher nur für die größten und potentesten Häuser in Frage.

Es ist gut möglich,  dass diese Entwicklung browsergestützten und damit plattformunabhängigen Lösungen zum Durchbruch verhilft.

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Neue digitale Medien zunehmend auch für ältere Nutzer interessant

Wenn es um den Einsatz neuer digitaler Medien in Museen und Kultureinrichtungen geht, stellt sich immer wieder ein Grundproblem: In der Altersstruktur der Museumsbesucher dominieren die älteren Jahrgänge, während die digitalen Medien vornehmlich von den Jüngeren genutzt werden. Das gilt nicht nur für die Verwendung von Smartphones in der Besucherinformation, sondern auch für die Einbeziehung von Sozialen Medien wie Twitter oder Facebook.

Ein gängiges Argument, diese neuen Vermittlungs- und Marketingformen dennoch einzusetzen, lautet, man erreiche damit die jüngeren und für die Zukunft der Museen besonders wichtigen Zielgruppen. Eine zweite Argumentationslinie setzt darauf, dass sich die neuen Medien zunehmend auch bei reiferen Nutzern verbreiten.

Neue Zahlen zum US-Markt, die das PEW Internet & American Life Project letzte Woche veröffentlich hat, belegen diese Annahme. Die Studie Generations 2010 befragte 2.252 Amerikaner zu ihrem Online-Verhalten. Die Altersverteilung bei der Nutzung von Online-Medien, die in jüngster Zeit verstärkt von Museen eingesetzt werden, bestätigt zunächst die zu erwartende Altersstruktur.

So schauen sich beispielsweise 80% der Altersgruppe 18-33 Jahre Online-Videos an, aber nur 44% in der Gruppe 65-73 Jahre. Berechnet man die Abweichung gegenüber der durchschnittlichen Nutzung aller Altersgruppen, ergibt sich eine recht steil fallen Kurve (blaue Linie).

Altersverteilung Nutzung Online-Videos und Veränderung gegenüber 2008

Schaut man sich dagegen die relative Änderung gegenüber dem im Dezember 2008 erhobenen Befund an (rote Linie), zeichnet sich eine gegenläufige Dynamik ab: Die Generationen der über 45jährigen holen stark auf. Bei der Nutzung von Social-Media-Websites ergibt sich ein ähliches Bild:

Nutzung von Social-Media-Websites und relative Veränderung zu 2008

Besonders markant ist der “Aufhohleffekt” bei den mittleren Jahrgängen (46-64 Jahre).

Insgesamt darf man auf der Grundlage dieser Zahlen davon ausgehen, dass die Nutzung der neuen digitalen Medien in den nächsten Jahren stärker zunehmen wird, als die demografische Entwicklung, also das Älterwerden der mit diesen Medien vertrauten Generation, erwarten ließe.

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">20. Dezember 2010


Continuous Client – Perspektiven für das
E-Publishing von Museen

Am 26. Mai 2010 hat Joshua Topolsky in einem Artikel des Engadget-Blogs die Vision eines “Continous Client” entwickelt , der es ermöglicht, Dienste und Inhalte nahtlos auf verschiedenen Endgeräten zu nutzen. Man beginnt etwa mit der Lektüre eines Blogbeitrags am Bildschirm des Desktops, liest ihn auf dem Sofa mit dem iPad weiter und später in der U-Bahn auf dem Bildschirm des Smartphones.

Was die Nutzung von E-Books angeht, sind wir dieser Idealvorstellung einen großen Schritt näher gekommen, seit Google seinen lange angekündigten E-Book-Shop online geschaltet hat. Für amerikanische Nutzer sind die Sammlung älterer Werke (Google Books) und der neue E-Book-Store bereits als integriertes Angebot unter der Bezeichnung Google ebooks verfügbar. Die Version für den europäischen Markt ist für das erste Quartal 2011 angekündigt. Die gekauften E-Books verbleiben “in the Cloud” und sind damit überall und voll allen (geeigneten) Endgeräten aus immer verfügbar. “Reading unbound” lautet der Slogan des neuen Angebots, und auch in der Video-Präsentation von Google ebooks steht die Unabhängigkeit von Plattformen und Endgeräten im Vordergrund.

Amazon als Markführer im Online-Buchhandel, geht – nolens, volens – einen ähnlichen Weg. Seit längerem waren bei Amazon gekaufte E-Books nicht nur auf den hauseigenen E-Readern der Kindle-Familie zu lesen, sondern auch mit passenden Apps für das iPhone und Android-Smartphones. Seit November 2010 ist auch eine Kindle-Reader-Version für PC (und eine reduzierte Version für Mac) verfügbar.

Topolskys Vision und die Praxis der beiden großen E-Book-Portale folgen letztlich dem Gedanken der ubiquitären Verfügbarkeit von Inhalten. Es geht darum, dem Nutzer die Freiheit zu geben, Inhalte an beliebigen Orten und mit den dafür am besten geeigenten Geräten zu lesen, also um einen gesteigerten Lesekomfort.

Für Museen birgt das Continous Client-Konzept einen sehr viel weiter reichenden Mehrwert. Bislang wird der Großteil der publizierten Informationen zu den Werken in der Sammlung praktisch nur in Bibliotheken, im Büro oder zu Hause genutzt, während vor den Objekten eine schmale Auswahl (Audioguide, Kurzführer, Objektbeschriftungen) zur Verfügung steht.

Die Potenziale der neuen Formen des digitalen Publizierens lassen sich gut am Beispiel der Museumskataloge veranschaulichen. Schon ein typischer gedruckter Ausstellungskatalog wird kaum in der Ausstellung selbst gelesen, geschweige denn ein wissenschaftlicher Sammlungskatalog. In Form eines E-Books lassen sich solch umfangreiche Katalog aber sehr gut über ein Smartphone, ein Tablet oder einen handlichen E-Reader konsultieren. Das Medium E-Book ist ausreichend flexibel, um den situationsspezifischen Bedürfnissen eines Museumsbesuchers gerecht zu werden, der sich beispielsweise zu Hause oder im Zug auf seinen Museumsbesuch vorbereitet, sich in der Ausstellung über einzelne Werke informiert, um später einzelne Aspekte zu vertiefen.

Momentan ist erst in Umrissen erkennbar, wie sich diese Vorstellung in die Praxis umsetzen lässt. Die technischen Voraussetzungen im Hinblick auf Lesesoftware und mobile Endgeräte werden, wenn sich der aktuell zu beobachtende Trend fortsetzt, von den großen Akteuren des Online-Buchhandels geschaffen und im Massenmarkt durchgesetzt. Offen ist freilich noch, wie genau Museums-E-Books beschaffen sein müssen, damit sie den Mehrwert der ubiquitären Nutzung wirklich ausschöpfen können. Genügt es, geräteunabhängige Standards wie EPUB zu verwenden, oder ist es sinnvoll, spezielle Versionen für die mobile Nutzung anzubieten? Welche Rolle wird die Erweiterung um multimediale und interaktive Elemente spielen?

Wenn die Entwicklung bei den Museums-E-Books ähnlich dynamisch verläuft wie derzeit bei den Museums-Apps, wird es bald Anschauungsmaterial geben, an dem sich diese Fragen weiter diskutieren lassen.

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Hypercities – historische Karten in Google Maps

Im Juli haben wir über TimeMap Berlin berichtet, ein Silverlight-basiertes Tool von Shoothill, mit dem sich historische Karten nahtlos in Bing Maps einblenden lassen. Ein Konsortium amerikanischer Universitäten unter Führung der University of California Los Angeles (UCLA) hat nun mit Hypercities eine umfangreiche Internetplattform für die Integration von geografischem Material in Google Maps geschaffen.

Städte, für die bereits Material vorliegt, sind auf der Weltkarte durch einen Kreis markiert. Das Projekt ist von Anfang an global angelegt, die Einträge reichen von Vancouver bis Schanghai und von Lima bis Berlin.

Hypercities Weltkarte mit den Orten, zu denen bereits Material vorliegt

Für Berlin sind beeindruckende 40 historische Stadtpläne verfügbar. Sie reichen von 1237 bis 1989. Das Einblenden in Google Maps erfolgt über einen kleinen Schieberegler unter der jeweiligen Karte. Damit lässt sich die Transparenz der Karte zwischen 0 und 100% stufenlos verstellen. Durch einfaches Hin- und Herschalten erkennt man schnell und intuitiv die Zusammenhänge zwischen historischer und aktueller Situation. Ein Beispiel: In der Überblendung des historischen Stadtplans Plan de la ville de Berlin Residence de Sa Majesté le roi de Prusse von 1723 mit der Straßenansicht von Google Maps erkennt man sehr schön, wo die barocken Befestigungsanlagen im Bereich Unter den Linden lagen und wie die den späteren Stadtgrundriss prägten.

Historischer Stadtplan von 1723 eingeblendet in Google Maps

Für stadthistorische Erkundungen besonders interessant ist die Möglichkeit, nach dem gleichen Verfahren zwei historische Pläne zu überlagern. Blendet man für die oben gezeigte Partie von Berlin etwa Google Maps aus und dafür den Plan der Königlich Preußischen Residenzstadt Berlin von 1760 halbtransparent ein, ergibt sich die folgende Darstellung:

Überblendung zweier historischer Stadtpläne (1723 und 1760)

So lässt sich die städtebauliche Entwicklung Schritt für Schritt nachvollziehen.

Das Projekt Hypercities ist aber weit mehr, als ein Tool für historische Stadtpläne. Unter “Collections” findet sich eine Fülle von ortsbezogenem Material aus unterschiedlichen Beständen. Auf den ersten Blick ist nicht leicht erkennbar, was davon für welchen Kontext relevant ist. Die Einblendung der Materialien aus der “General Collection” über einem Berliner Stadtplan von 1811 und das Anklicken des Markers am Bahnhof Friedrichstraße führt zu folgendem (wenig erhellenden) Ergebnis, wobei in der Infobox die Registerkarte Google Street View gewählt wurde:

Ortsbezogene Informationen aus dem Portal Hypercities

Hier zeigt sich, dass Hypercities als eine offene Struktur konzipiert ist, die von den teilnehmenden Forschern und Studenten projektbezogen genutzt werden kann. Je mehr Material eingestellt wird, desto unübersichtlicher wird das Angebot und desto schwieriger wird es, ein für eine konkrete Fragestellung aussagekräftiges Set an Informationen herauszufiltern. Es wäre sicherlich lohnenswert, benutzerfreundliche Module zu entwickeln, die Interessenten helfen, die in Hypercities verborgenen Schätze zu heben.

Einen guten Überblick über die Konzeption und die Möglichkeiten von Hypercities gibt das folgende Demo-Video:

YouTube Preview Image

Es ist diesem Projekt zu wünschen, dass sich möglichst viele Universitäten und Forschungseinrichtungen beteiligen und ihre historischen und geografischen Bestände einspeisen.

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Mobile Marketing für Museen
Teil 1: Qype & Co.

Das mobile Internet verzeichnet anhaltend hohe Wachstumsraten. Schon heute (April 2010, Quelle: BITKOM) nutzt jeder zehnte Internetnutzer das Web über sein Smartphone, bei den unter 30jährigen sind es schon 17%. Bei 10 Millionen internetfähigen Smartphones, die in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden, wird sich dieser Trend beschleunigen.

In unserer Artikelserie Mobile Marketing für Museen werden wir verschiedene Möglichkeiten vorstellen, wie Museen und Kultureinrichtungen diesen Trend nutzen können, um die Zielgruppe der mobilen Internetnutzer anzusprechen.

Museen und das mobile Web

Wer mit dem mobilen Browser seines Smartphones die Websites deutscher Museen aufruft, merkt schnell, dass sich die Kultureinrichtungen noch nicht auf die Zielgruppe der mobilen Internetnutzer eingestellt haben. Was er zu sehen bekommt, sieht in aller Regel etwa so aus:

Websites der Gemäldegalerie SMB und des Deutschen Technikmuseums im mobilen Browser

Es fehlen mit wenigen Ausnahmen Websites, die auf das reduzierte Display von mobilen Endgeräten zugeschnitten sind. Das gilt keineswegs nur für Museen und Kultureinrichtungen, sondern für einen Großteil der Webseiten-Betreiber. Denn die automatische Umformatierung eines Internetauftritts für die vielen mobilen Endgeräte (Transcoding) ist recht teuer (ab ca. 500 EUR im Monat) und kommt für kleinere und mittlere Websites kaum in Betracht.

Bewertungsportale Qype und Yelp

Die mobilen Nutzer haben sich darauf eingestellt. Sie suchen Informationen oft nicht über den mobilen Browser ihres Smartphones, sondern über spezielle Dienste. Für ortsbezogene Informationen spielen Bewertungsportale wie Qype oder Yelp eine wichtige Rolle. Sie bieten zu allen denkbaren Orten in der Stadt neben Grundinformationen wie Kontaktdaten und Öffnungszeiten Bewertungen und Kommentare von Nutzern. Die Nutzerstatistik belegt, dass dieses Informationsangebot intensiv genutzt wird. Der deutsche Marktführer Qype verzeichnete im Oktober rund 19 Millionen Seitenaufrufe. Nach Schätzungen des Anbieters entfallen davon 20-30% auf mobile Smartphone-Nutzer.

Mit dem Smartphone kann man Qype über den mobile Browser nutzen oder – deutlich komfortabler – mit einer kostenlosen App.

Qype im mobilen Browser und als iPhone App

Relevanz für Museen

Aus Sicht der Museen stellt sich natürlich die Frage, ob auf diesen Portalen neben Cafés, Restaurants, Läden und Clubs auch Kultureinrichtungen eine Rolle spielen. Entsprechende Einträge sind vorhanden. Der weit überwiegende Teil der Museen in den großen Städten ist beispielsweise bei Qype vertreten. Aber werden diese Einträge auch wahrgenommen und genutzt?

Die Stichprobe

Zur Beantwortung dieser Frage haben wir eine Stichprobe in Berlin genauer unter die Lupe genommen. Untersucht wurden 13 Museen im Umfeld des Potsdamer Platzes (im Uhrzeigersinn):

Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW), Gemäldegalerie (GG), Kunstgewerbemuseum (KGW), Kupferstichkabinett (KK), Neue Nationalgalerie (NNG), Musikinstrumenten-Museum (MIM), Daimler Contemporary – Daimler Kunstsammlung (DC), Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (MFF), Dali-Ausstellung am Potsdamer Platz (DA), Museum für Kommunikation (MK), Martin-Gropius-Bau (MGB), Stiftung Topografie des Terrors (TT), Deutsches Technikmuseum (DTM).

Alle Einrichtungen sind mit einem Eintrag bei den beiden führenden Portalen Qype und Yelp vertreten, zwei (Kupferstichkabinett und Kunstgewerbemuseum) bei Qype allerdings nur mit den Kontaktdaten und ohne Bewertungen, bei Yelp trifft dies auch auf die Dali-Ausstellung zu.

Die folgende Auswertung bezieht sich auf die 11 bei Qype bewerteten Häuser. Gemessen an der Anzahl der Bewertungen für Museen ist Yelp deutlich weniger relevant (25% Anzahl Bewertungen im Vergleich zu Qype). Stichtag war der 1. Dezember 2010.

Die Museen bei Qype

Die Nutzer des Bewertungsportals haben verschiedene Möglichkeiten, sich zu den eingetragenen Museen zu äußern und damit das Informationsangebot zu erweitern. Sie können:

  • eine Bewertung schreiben
  • eine Sterne-Bewertung abgeben
  • die Bewertung eines Nutzers kommentieren
  • ein “gefällt mir”-Votum zum Museum abgeben
  • ein “gefällt mir”-Votum zu einer Bewertung abegeben
  • Fotos hochladen

Die Bewertung nach Sternen fällt durchweg positiv aus. Sie variiert zwischen 4 und 5 Sternen von 5 möglichen. Auffällig ist, dass diese Bewertungsmöglichkeiten bei den untersuchten Museen sehr unterschiedlich stark genutzt wurden. So kann das Deutsche Technikmuseum stolze 79 Bewertungs-Beiträge vorweisen, bei der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin sind es 6. Bei den zählbaren Interaktionen ergibt sich das folgende Bild:

Statistik Stichprobe Berliner Museen bei Qype

Man sollte die quantitative Seite nicht überbewerten, bei der Version für den mobilen Browser werden ohnehin nur die letzten fünf Einträge angezeigt. Entscheidend für die Wirkung auf potenzielle Museumsbesucher ist die Qualität der Beiträge. “Ein tolles Museum bei dem man quasi ‘live dabei’ ist. Es gibt immer wieder was neues zu sehen. Einfach einen Besuch wert”, schreibt etwa Intensiv-Qyper awollnik (424 Beiträge) zum Deutschen Technikmuseum. Oft sind die Beiträge recht ausführlich. So widmet etwa Nutzer berlingazza der Neuen Nationalgalerie ganze 2.700 Zeichen und MichaelZ fügt seinem Beitrag noch vier Fotos und ein YouTube-Video hinzu. Bessere “Botschafter” für das eigene Haus kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Die Relevanz der Qype-Bewertungen ergibt sich auch aus der Situation, in der sie rezipiert werden: Mobile Qype-Nutzer befinden sich in der Regel vor Ort, sie stehen unmittelbar vor der Entscheidung, ob Sie in ein Museum oder eine Ausstellung gehen oder ein anderes Freizeitangebot nutzen. Für die 11 Museen unserer Stichprobe kann man sagen: Mehrere Hundert Besucher haben an den Bewertungen teilgenommen, viele Tausend diese Bewertungen gelesen, haben sich über die betreffenden Museen informiert, und man darf davon ausgehen, dass die positiven Nutzerbewertungen einen gewissen Anteil von ihnen zu einem Museumsbesuch motiviert hat.

Einflussmöglichkeiten

Die Bewertungen auf Portalen wie Qype oder Yelp sollten deshalb aus unserer Sicht in die Marketingstrategie eines Museums einbezogen werden. Nun liegt es in der Natur dieser Bewertungsportale, dass die Inhalte von den Nutzern erstellt werden, nicht vom Anbieter selbst. Welche Möglichkeiten bleiben also einem Museum, die eigene Präsenz auf Qype & Co zu beeinflussen?

Tabu sind selbstverständlich fingierte Bewertungen etwa durch die Mitarbeiter des Hauses oder eine PR-Agentur. Es gibt aber drei sehr einfache Maßnahmen, die eigene Qype-Präsenz zu verbessern:

1. Kostenloser Eintrag des eigenen Hauses

Jeder Nutzer kann auf Qype “Places” anlegen, etwa sein Lieblingsrestaurant, einen Laden oder eben ein Museum. Diese Einträge mit den Basisinformationen (Anschrift, Kontakt, Website, Öffnungszeiten …) bleibt für jeden anderen Nutzer editierbar. Das ändert sich erst, wenn sich jemand bei Qype als der “Besitzer” des Eintrags zu erkennen gibt. Er kann sich kostenlos als solcher registrieren lassen und ist dann für die Pflege der Informationen in Zukunft alleine verantwortlich.

Erstaunlicherweise scheinen die wenigsten Museen von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Von den 11 Museen der Stichprobe sind nur zwei Besitzer ihres Eintrags (Deutsches Technikmuseum und Dali-Ausstellung). Bei den anderen kann jeder beliebige Nutzer beispielsweise den Link zur Homepage des Museums ändern.

Schon aus Gründen der Seriosität sollte jedes Museum die wenigen Minuten investieren, den eigenen Eintrag zu sichern und damit für verlässliche Informationen zu sorgen.

Es besteht auch die Möglichkeit, für eine Monatsgebühr von ca. 35-60 Euro einen Premium-Eintrag zu buchen, der die Position in den Ergebnislisten beeinflusst (momentan noch nicht bei der mobilen Qype-App).

2. Eintrag vervollständigen und aktuell halten

Die Informationen zu den einzelnen Orten auf Qype sind nicht sehr umfangreich. Gerade bei den von Nutzern angelegten Einträgen fehlen aber oftmals Angaben, etwa in den Kategorien rollstuhlgeeignet, kindergerecht oder Parkmöglichkeiten. Man sollte darauf achten, dass im eigenen Eintrag alle Felder ausgefüllt sind.  Außerdem kann der Besitzer dem Profil Fotos hinzufügen und damit das eigene Haus ins rechte Licht rücken. Bei Änderungen der Öffnungszeiten sollte man nicht vergessen, diese auch den Nutzern von Qype mitzuteilen.

3. Dialog mit den bewertenden Nutzern

Über die Kommentarfunktion besteht die Möglichkeit, auf die Bewertungen zu reagieren.  Das sollte, wie bei allen Web 2.0-Diensten, zurückhaltend und überlegt erfolgen. Bei Missverständnissen oder Kritik ist es aber angebracht, durch einen kurzen Kommentar zu signalisieren, dass man das Problem wahrgenommen hat und sich konstruktiv mit dem Feedback auseinandersetzt.

Fazit

Bewertungsportale wie Qype oder Yelp werden zunehmend genutzt, um sich direkt vor Ort über Freizeitmöglichkeiten zu informieren. Sie erreichen die Zielgruppe der Museen genau in dem Moment, in dem die Entscheidung über einen Museumsbesuch fällt. Deshalb lohnt es sich für ein Museum, sich mit diesen Diensten auseinanderzusetzen. Die Möglichkeiten, dieses Medium zu beeinflussen, halten sich in engen Grenzen, sind aber kostenlos und erfordern aber auch nur einen sehr geringen Arbeitsaufwand. Man sollte sie deshalb unbedingt nutzen.

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">7. Dezember 2010



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